Verlern dich frei ...

Blog Suffizienz - von Barbara Senn vom 13. Februar 2018

 

Die Werbeplakate lächeln mir von allen Seiten zu. Jedes Ortszentrum wartet mit schön hergerichteten, anmächeligen Schaufenstern zahlreicher Geschäfte auf. Mit Musik und Düften versuchen mich die Ladenbetreiber zu locken – und erreichen bei mir mit dieser Penetranz oft das Gegenteil.

Und doch bin auch ich vor diesen Verlockungen nicht gefeit. Durch die Zürcher Bahnhofstrasse laufe ich bevorzugt abends, wenn die Geschäfte bereits geschlossen sind – oder am Sonntagmorgen. Dann ist die Stadt sowieso ein Erlebnis – mit einer unglaublichen Ruhe, Frische, Verschlafenheit, Entspanntheit. Sogar der „24h-Shop“ an der Langstrasse ist geschlossen. Für mich ist diese Szenerie eine Art Detox für die Stadt und ihre Bewohnenden gegenüber der sonst vorherrschenden Umtriebigkeit.

 

Seit ich ein Bewusstsein entwickelt habe für meinen Konsum, also seit ein paar Jahren, versuche ich mich von alten Konsumgewohnheiten zu befreien. In diese Gewohnheiten war ich – ein Kind geboren in den 80ern – hineingewachsen. Meine Eltern lebten mir den schnellen, billigen Konsumismus nicht vor – ich bekam ihn trotzdem mit. Ich fühlte mich verführt von 5 Franken-Preisschildern und Ausverkäufen. Und auch heute denke ich manchmal noch, mir etwas zu gönnen bedeute mir etwas zu kaufen. Das ist inzwischen vielleicht ein Secondhandkleid oder ein Musikinstrument. Aber auch hier stellt sich mir die Frage: Brauche ich das wirklich, um glücklich zu sein? Erzeugt es für mich einen Mehrwert im Leben?

 

So bin ich immer noch in diesem „Verlern-Prozess“ von Konsumgewohnheiten. Dabei gilt es für mich auch, Wertehaltungen zu hinterfragen. Z.B. ist und war es in meiner Generation sehr angesagt, viel zu reisen, viel zu sehen. Das zeige, dass du ein neugieriger, weltoffener Mensch bist. Und irgendjemand soll ja mal gesagt haben: „Reisen bildet“. Für mich macht das ausschliessliche Ansehen von Monumenten, Städten, Menschen etc. keinen Sinn. Ich glaube nicht, dass dies eineN bildet. TouristIn sein hat für mich etwas Befremdendes im wahrsten Sinne des Wortes. Ich glaube, dass wir uns als blosseR TouristIn mehr von den Menschen distanzieren als dass wir uns ihnen annähern. So geniesse ich es jedoch ungemein, mich von einem/ einer Lokalen in eine andere Kultur/ Natur einführen und dort auch Wertschätzung und Wertschöpfung entstehen zu lassen. Ganz nach den Worten eines weisen Mannes: Versuche überall, wo du hingehst, die Welt ein Stück besser zu machen.

 

Täglich folgen wir etlichen (Handlungs-, Denk- …) Mustern aufgrund gesellschaftlicher Konditionierung. Dies zu erkennen und sich dessen bewusst zu werden ist ein Prozess, der unsere Aufmerksamkeit verlangt und uns schliesslich zu unseren eigenen, wirklichen Bedürfnissen führen kann.

Mir helfen z.B. Meditation und Tanz mich besser kennenzulernen, mir zuzuhören, mir bewusster über meine essenziellen Bedürfnisse zu werden. Auch im Gespräch mit anderen Menschen und durch deren Inspiration kann ich die Ursprünge und Relevanz von Glaubenssätzen überprüfen. Manchmal erkenne ich sie dann als Konditionierung durch die Gesellschaft, respektive durch eine starke Lobby, die aus meinen Konsumgewohnheiten einen Nutzen zieht.

 

Befreien wir uns!

 

So wünsche ich euch und mir weiterhin viel Freude auf dieser Reise des Verlernens und Neulernens. Mögen wir uns dabei mit Liebe begegnen.

 

 

 

Am diesjährigen Nebenrolle Natur Filmfestival werden zwei Filme zu suffizientem Lebensstil gezeigt. Mit diesem Blog möchte ich bereits im Vorfeld darüber diskutieren und dafür sensibilisieren.

 

 

Danke für Euer Mitgestalten dieser Welt.


Mir selbst genügen...

Ein Blogbeitrag von Barbara Senn vom 8.  Januar 2018

 

Es ist Silvester 2017. Seit drei Monaten denke ich an diesen Blog. Dass er mir das Tor zum Schreiben öffnet, dass ich dadurch in den Flow komme und alles niederschreiben kann und will, was mich gerade beschäftigt. Hier vor allem im Zusammenhang mit Suffizienz natürlich.

 

So begleitete mich der Blog in meinen Gedanken, wollte sich aber nicht niederschreiben lassen. Respektive ich wollte mich nicht an den Laptop setzen. Hmmm. Inzwischen gibt es bestimmt ein integriertes Diktiergerät, das nur ich noch nicht gefunden habe. Das würde mir das Schreiben vielleicht erleichtern. Denn ich könnte dabei herumlaufen. Oder tanzen.

 

Aber das war ja nicht das Thema. Das Thema ist Suffizienz. Das Wort Suffizienz kommt vom lateinischen sufficere: ausreichen, genügen. Im Kontext der Nachhaltigkeit bedeutet es ein «Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch (Wikipedia, 2018)».

 

Was bedeutet denn Suffizienz für MICH persönlich? Ist es das Gleiche wie AUTOsuffizienz? Gibt es dieses Wort überhaupt? Im Duden habe ich es nicht angetroffen. Trotzdem ist es in meinem Kopf. Mein Kopf und der Duden sind also nicht kongruent. Wohl bin ich aber in anderen Sprachen auf das Wort gestossen. Das italienische autosufficiente bedeutet so viel wie selbständig,

 

selbstgenügsam, unabhängig, eigenständig. Oder das spanische autosuficiente kann auf Deutsch selbsterhaltend, selbstgenügsam, selbstgefällig meinen. Ein verwandtes Wort finden wir im deutschen süffisant (ein süffisantes Lächeln), welches ebenfalls selbstgefällig bedeutet.

 

Wie interpretiere ich nun das neue, deutsche Wort Autosuffizienz? Was bedeutet es, autosuffizient zu sein? Bin ich suffizient für mich? Genüge ich mir? Bin ich genug? Gefalle ich mir? Bin ich mir gefällig (heisst das nun, ob ich mir einen Gefallen mache)? Bin ich Barbara-suffizient?

 

Was wäre denn das Gegenteil von autosuffizient? Genüge ich anderen? Bin ich dann fremdsuffizient? Also Barbaro-suffizient? (Hier eine kurze Erläuterung zu meinem Namen Barbara, der griechischer Herkunft ist und mit dem Begriff der Barbaren für die Völker stand, die zu Zeiten des antiken Griechenland nicht griechisch sprachen, also alle Fremden. Barbara bedeutet deshalb die Fremde.)

 

Und siehe da. Ich habe meinen Vorsatz fürs Jahr 2018 gefunden, ohne ihn zu suchen: autosuffizient zu sein. Mir selbst zu genügen. Dies als Grundlage, um überhaupt weitere Suffizienz anstreben zu wollen. Das scheint mir die Basis. Das Wichtigste. Denn ich glaube, ich kann besser mit weniger Materiellem zufrieden sein, wenn ich mit mir selbst zufrieden bin und dies nicht durch Konsum kompensieren muss.

 

So freue ich mich auf das neue Jahr und auf all die Erfahrungen, selbständig, selbstgenügsam, selbsterhaltend, unabhängig und ab und zu auch ein bisschen selbstgefällig zu sein.

 

 

Am diesjährigen Nebenrolle Natur Filmfestival werden zwei Filme zu suffizientem Lebensstil gezeigt. Mit diesem Blog möchte ich bereits im Vorfeld darauf fokussieren und darüber diskutieren. Bitte nutzt für Hinweise auf laptop-integrierte Diktiergeräte, Kommentare, weiterführende Informationen, Inputs etc. die Kommentarspalte.

 

 

Vielen Dank für Euer Mitgestalten dieser Welt.

Barbara Senn liebt Bäume und einen suffizienten Lebensstil. Mit ihrer Offenheit und positiven Einstellung zeigt sie, dass unser Glück nicht vom Konsumieren abhängt. Barbara ist beratend beim Nebenrolle Natur Filmfestival für den Bereich «Suffizienz» verantwortlich.



Noch 11 Tage bis zum Festival

Bald öffnet das 4. Nebenrolle Natur Filmfestival seine Tore und es gibt auch ein ausgedehntes barrierefreies Programm.

Folgendes können dank des erfolgreichen Crowdfundings umsetzen:

Diese Events werden durch einen Gebärdensprache-Dolmetscher begleitet:

• Donnerstag 16. März „The Borneo Case“
Programm: www.nnff.ch
• Freitag 17. März "Freightened"
Programm: www.nnff.ch
• Samstag 18. März "Tomorrow"
Programm: www.nnff.ch
• Sonntag 19. März "Before the Flood"
Programm: www.nnff.ch


Vom Verein www.lkh.ch erhalten wir eine Ringleitung für das gesamte Festival zur Verfügung gestellt. Durch die Ringleitung können Schwerhörige die Lautstärke auf individueller Basis besser regulieren.


Zudem können wir folgende Filme zusätzlich mit Untertiteln versehen:
• Klimaschützer gegen Stromriesen
• Flucht nach Europa
• Projekt A
• Wastecooking
• Mikroplastik im Meer
• Engadin - Wildnis der Schweiz


Wir danken allen Boostern nochmals herzlich für ihren Beitrag.

Gerne erwähnen wir noch LUSH - Fresh Handmade Cosmetics www.lush-shop.ch welche mit ihrem grosszügigen Beitrag das Barrierefreiheit Sponsorship übernommen haben. Und auch den Verein Jugehörig jugehoerig.ch der das Sponsorship initiiert hat.

Wir freuen uns Euch bald zu sehen!
Marius, Ruben, Edwin und der Rest vom NNFF‘17 OK

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Crowdfunding für die Barrierefreiheit am NNFF'17

 

Das Nebenrolle Natur Filmfestival Zürich findet vom 16.-19. März 2017 zum vierten Mal statt. Unsere Filme und die Podiumsdiskussionen möchten wir durch Untertitel und Dolmetscher auch hörbeeinträchtigen Menschen zugänglich machen. Hilf uns, das zu ermöglichen.

 

Mehr Infos dazu hier: Crowdfunding

 

Und im Video unten (Deutsch 90 Sekunden):


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HowTo - «Building a Successful Social Movement» mit der Wandellust

Drei spannende Events mit der Wandellust zum Thema «Building a Successful Social Movement» gestartet.

 

Die nächsten Events finden am  Di. 6. und Do. 15. Dezember zu den Themen Kommunikation und Finanzierung statt.

 

Reservation und weitere Infos unter Events.

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Datum bestätigt

Die Daten für das Festival 2017 sind nun definitiv bestätigt. Wir werden vom 16. - 19. März wieder für vier Tage Film, Diskussion und Aktion in der Roten Fabrik geniessen dürfen. Datum schon einmal vormerken und JETZT MELDEN wer mitmachen möchte, Film- und Event-Ideen hat oder als Organisation Partner werden möchte. E-Mail

 

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Nebenrolle Natur Filmfestival 2017

Die Planung für das Festival 2017 ist angelaufen. Das Datum wird voraussichtlich 16. - 19. März 2017 sein. Wir suchen für weiterhin Helfer in allen Bereichen. Von Konzeption bis Kasse brauchen wir motivierte Film- und Naturfans und bieten viel Bewegungs- und Wirkungsfreiheit für Engagierte mit Vision.

 

Melde Dich auf kontakt@nnff.ch

 

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