«Safari»

Film & Diskussion

Do. 23. November 2017, Rote Fabrik - 19.30 Uhr


2016 ‧ Österreich ‧ 91m - Ulrich Seidl

 

Impalas, Zebras, Giraffen, Gnus und vieles Schönes mehr gibt es im wilden, afrikanischen Buschland. Ein guter Grund für deutsche und österreichische Touristen, hier Urlaub zu machen, um sich ganz dem (vielleicht) ursprünglichen Jagdinstinkt zu ergeben. Und ein guter Grund für Regisseur Ulrich Seidl, sie dabei zu filmen – und ganz genau hinzuhören, wenn die Beute des Tages erlegt ist. Im neuen Werk des kompromisslosen österreichischen Filmschaffenden erfahren wir von den Bewusstseinsvorgängen beim Erschiessen eines Weissbartgnus, sind Zeugen bei der Zerlegung einer Giraffe und erleben möglicherweise, was das stumme einheimische Hilfspersonal zu Essen kriegt. Dieser Trip durch die gegenwärtige Urlaubskultur scheint wie eine Reise in ferne, fast vergessene (Kolonial)Zeiten. Schön wär's. SAFARI ist ein Ferienfilm über das Töten, ein Film über die menschliche Natur.

Trailer

Filminfo

  

Das legale Geschäft mit dem Töten von Wildtieren in Afrika, auch bedrohten Arten, wächst. Wie das aussieht, zeigt der österreichische Regisseur Ulrich Seidl mit seiner Dokumentation "Safari" in langen, manchmal quälenden Aufnahmen.

 

Tier aussuchen, bezahlen, los geht die Jagd!

Es ist eine bizarre Welt, die sich da auftut: Ein Tier aussuchen, bezahlen -  und los geht die Jagd. Dass der Film ohne Kommentar auskommt, macht ihn umso stärker. Denn die Jäger entlarven sich selbst, in Interviews oder auch beim Schönmachen fürs Familienalbum.

 

Was hat Seidl an diesem Thema besonders interessiert? "Die Frage, warum Menschen Tiere töten, ist für die ganze Menschheit wichtig. Man könnte auch weitergehen und fragen, warum töten Menschen Menschen? Der Film ist mit der Frage beschäftigt, wie der Zustand der Menschheit ist."

 

Macht Töten glücklich?

Was den Regisseur besonders überraschte, war, dass das Töten offenbar glücklich macht. Jäger kommen sich dabei näher. Rituale wie das perfekte Posing mit dem erlegten Tier sind wichtig. Doch sie haben auch Distanz zu ihm, damit sie es schießen können: "Das Tier ist nicht das Zebra, sondern es ist ein Stück", sagt Seidl. "Es wird entpersonifiziert." Tote Tiere bringen viel Geld. Das verdienen aber allein die Großgrundbesitzer, die Einheimischen machen die Arbeit.

 

Artenschutz interessiert die Jäger nicht. Hauptsache das Tier hat ein schönes Fell oder Geweih. Artenschutzverbände fordern, den Import von Jagdtrophäen zu verbieten: "Die größte Bedrohung zum Beispiel für Bergzebras ist die Jagd", sagt Andreas Dinkelmeyer vom IFAW (International Fund for Animal Welfare). "Ihre Trophäen sind die am häufigsten nach Deutschland eingeführten."

 

Die Einheimischen verdienen nichts an der Jagd

Ein Berg-Zebra kostet 790 Euro, eine Giraffe das Doppelte. Den Entwicklungsländern hilft das finanziell nicht, denn das Geld verdienen nur die Großgrundbesitzer, die die Prämien für das Wild kassieren. Den Einheimischen bleiben schlecht bezahlte Jobs. So zeigt "Safari" ein erschreckend koloniales Weltbild der Jäger - und eine beängstigende Ignoranz. Weidmannsheil!

 

Im Anschluss Podiumsdiskussion

Eintritt: 10 CHF

 



Bilder zum Film